Die sich darin spiegelnde Meinung ist die persönliche von Klaus Feick
Die EU hat entschieden. Sogenannte neue gentechnische Verfahren bei der Züchtung von Pflanzen (NGT-Pflanzen) sind jetzt auch in Europa zugelassen, ohne Risikoprüfung, ohne Haftung, mit der Kennzeichnungspflicht nur beim Saatgut und patentierbar. Damit ist die EU praktisch in allen Belangen den Wünschen der Agroindustrie gefolgt. Verbraucherschutz, Transparenz und Gemeinwohl bleiben dabei auf der Strecke. Damit hat ein jahrzehntelanger Streit ein vorläufiges Ende gefunden. Inhaltlich kann man sich über Nutzen und Risiken dieser gentechnischen Gefahren sicher streiten. In einem Für und Wider gibt es Argumente für beide Seiten. Der Züchtungsfortschritt kann mit Hilfe dieser Verfahren stark beschleunigt werden. Ob die Züchtungsergebnisse dann aber den Versprechen gerecht werden, darf stark bezweifelt werden. Man muss kein Hellseher sein, um zu prophezeien, dass nicht die Pflanzen im Focus der Züchter stehen, die gerne als Argumente angeführt werden. Anpassungen an den Klimawadel oder die Bekämpfung des Hungers in der Welt werden seit Jahrzehnten als Argumente für die Notwendigkeit des Einzugs der Gentechnik in der Landwirtschaft angeführt. Hervorgebracht hat die Gentechnikindustrie in Jahrzehnte langer Züchtung aber vor allem Herbizid resistente Pflanzen, mit deren Einsatz sich vor allem der Absatz von Herbiziden steigern lässt. Dass es einzig und allein um den Profit geht, zeigt letzten Endes auch der beschlossene langfristige Patentschutz der so gewonnenen neuen Sorten. Die Konzentration in der Agroindustrie wird somit weiter zunehmen. Kleinere Züchtungsunternehmen, die vor allem regional angepasste Sorten züchten, werden so vom Markt gedrängt. Aus Verbrauchsicht das größte Übel ist vor allem die fehlende Transparenz. Lebensmittel, die aus so gezüchteten Pflanzen hergestellt werden, müssen nicht entsprechend gekennzeichnet werden. Eine bewusste Entscheidung, solche Pflanzen abzuwählen, kann beim Einkauf also nicht mehr getroffen werden. Und das ist genauso gewollt, um diesen Züchtungstechniken und den daraus gewonnenen Pflanzen zum Durchbruch zu verhelfen.
Wer zukünftig weiter gentechnikfrei einkaufen möchte, dem bleibt praktisch nur der Kauf von Bio-Lebensmitteln. Denn hier ist der Einsatz dieser Techniken weiterhin verboten und der Ökolandbau verfügt zudem über ein bewährtes Kontrollsystem. Das Problem für die Bio-Branche ist jedoch, dass sie selbst diese „Garantie“ sicher stellen muss. Das Verursacherprinzip wird durch die Entscheidung der EU nämlich auf den Kopf gestellt. Nicht derjenige, der NGT-Pflanzen in Verkehr bringt, muss für Transparenz sorgen, sondern derjenige, der solche Pflanzen ausschließt. Damit werden der Bio-Branche auch die Kosten übergeholfen, die ein solcher Prozess zwangsläufig mit sich bringt. Wie sich all das zukünftig am Lebensmittelmarkt auswirken wird, bleibt abzuwarten.
Der Bauer und sein Sohn
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Der Bauer steht vor seinem Feld
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An dieser unterschiedlichen Betrachtungsweise hat sich auch 175 Jahre später nichts geändert. Während die Einen mit Round Up & Co das Unkraut auf Teufel komm raus bekämpfen, regeln die Anderen das über Fruchtfolge und mechanische Maßnahmen und tolerieren eine gewisse „Verunkrautung“ und fördern damit ganz nebenbei Insekten und wirken dem Artensterben entgegen. Auch die Imker freuen sich über die Tracht für den Kornblumenhonig.
Leider verlieren im Angesicht einer Wirtschaftskrise Umweltbelange derzeit massiv an politischem Rückhalt. Dazu passt eine Äußerung unseres Staatssekretärs für Landwirtschaft in Magdeburg. Für eine Unterstützung des Ökolandbaus aufgrund seiner vielfältigen gesellschaftlichen Leistungen sieht er keine Notwendigkeit, die gesellschaftliche Leistung der Landwirtschaft bestehe schließlich in der Produktion von Lebensmitteln. So kann man es auch sehen. Solche Ansichten sind jedoch die Grundlage dafür, dass man sich mit den Lösungen von heute die Probleme von morgen schafft, aber die muss er ja nicht lösen.
Wir erfreuen uns jedenfalls mit den Imkern alle Jahre wieder an dem Bild unserer Getreidebestände im späten Frühjahr (die aber auch nicht alle so und jedes Jahr ein bisschen anders aussehen). Und ganz nebenbei werden so sogar noch gesunde Lebensmittel produziert.
Seit Jahrzehnten vollzieht sich in der Landwirtschaft ein unerbittlicher Strukturwandel. Kontinuierlich steigenden Kosten stehen nicht entsprechend steigende Erlöse gegenüber. Das propagierte Gegenmittel ist, wie in anderen Branchen auch, die Steigerung der Produktivität. Erträge sind jedoch kaum noch steigerbar bzw. vor allem infolge der klimatischen Veränderungen sogar eher rückläufig. Bleibt die Flucht in Größe, um durch Rationalisierungseffekte die „Stückkosten“ zu senken, wie es im Wirtschaftsjargon heißt.
Besonders deutlich wird der Strukturwandel bei den Milchviehbetrieben. Gab es im Jahr 2000 in Deutschland noch über 130.000 Milchviehbetriebe, waren es im Jahr 2024 nur noch gut 48.000, ein Rückgang um satte 63% in noch nicht einmal 25 Jahren, was noch nicht einmal der Lebensdauer eines Kuhstalles entspricht. In der gleichen Zeit hat sich die Anzahl der Kühe pro Betrieb mehr als verdoppelt. Das Ganze lässt sich auch bildlich anhand eigener Lebenserfahrungen beschreiben. Der elterliche Hof im Odenwald mit 25 ha hatte noch in den 1970er Jahren 11 Kühe. Damit kam der Hof aber nicht mehr über die Runden, so dass am Stall angebaut wurde und die Anzahl auf sage und schreibe 16 Kühe erhöht wurde. Doch auch die reichten wenige Jahre später nicht mehr aus. Noch mehr Kühe gab die Flächenausstattung nicht her und zusätzliche Flächen zu pachten, war nicht möglich. Also wurde die Milchviehhaltung in einem sehr konfliktträchtigen Prozess aufgegeben, der Stall zu einem Mastbullenstall umgebaut mit rund 40 Plätzen. Doch auch die reichten irgendwann nicht mehr aus, um wirtschaftlich zurecht zu kommen. Nächster Schritt: erneuter Umbau der Ställe für Mastschweine mit 120 Plätzen. Sie ahnen es? Auch damit kam die Familie nur eine Zeit lang zurecht. Über die Direktvermarktung und Hausschlachtung entwickelte sich der Hof im Laufe der Zeit zu einem Gastronomiebetrieb – Landwirtschaft macht dort keiner mehr.
Warum erzählen wir das alles? Weil nach über 30 Jahren auch auf unserem Hof mit der Milchviehhaltung nun Schluss ist. Ende April sind unsere Milchkühe vom Hof gegangen. Als wir 1990 unseren Betrieb gegründet haben, waren 320 ha Betriebsfläche aus westdeutscher Perspektive und im Ökobereich sowieso riesig und 120 Kühe unglaublich viel. Doch der Strukturwandel machte hier nicht Halt, sondern drehte sich munter weiter. Seit vielen Jahren schon decken die Milchpreise nicht mehr unsere Kosten. Eine Zeit lang kann man einzelne Bereiche quer subventionieren, indem man Geld vom Acker in den Stall trägt und auf Besserung hofft. Eine Zeit lang kann man auch von der Substanz leben und abgeschriebene Maschinen und Gebäude weiter nutzen und eigentlich notwendige Ersatzinvestitionen in der Hoffnung auf Besserung in die Zukunft schieben. Man kann auch versuchen über hofeigene Verarbeitung, z.B. mit einer Hofmolkerei, die Wertschöpfung im Betrieb zu steigern (der Ausgang in unserem Betrieb ist bekannt). Doch wenn auch das nicht fruchtet und der Investitionsstau zu groß wird und immer noch keine Besserung in Sicht ist? Mit der Antwort darauf macht man es sich verdammt nicht leicht, erst recht nicht nach so langer Zeit und wenn die Kühe eigentlich fester Bestandteil der eigenen Überzeugung vom Ökolandbau sind. Aber was bleibt einem übrig? Wie geht es nun weiter? Zum Betrieb gehören Grünland- und Futterflächen, die nur durch Tiere genutzt werden können und die als Klee- oder Luzernegras für die Fruchtfolge dringend gebraucht werden. Auch Gebäude, die eigentlich nur als Ställe genutzt werden können, sind da. Ein Teil der Tiere verbleibt daher weiterhin auf dem Hof, um mit ihnen eine Mutterkuhherde für die Fleisch-Direktvermarktung aufzubauen. Der Großteil des Futters geht zukünftig in drei benachbarte Biogasanlagen und „füttert“ dort die Bakterien, die aus dem Futter Methan machen, das anschließend zur Stromgewinnung verbrannt wird. Methan besteht aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Die für die Landwirtschaft essentiellen Hauptnährstoffe Stickstoff, Kalium und Phosphor kommen als Dünger über das Gärsubstrat aus den Biogasanlagen zurück auf unsere Flächen. Somit bleibt dieser wichtige Nährstoffkreislauf erhalten. Zunehmend wird auch Gas aus Biogasanlagen direkt als Brennstoff zur Energiegewinnung ohne Umweg über Strom genutzt. Energie ist das neue Lebenselixier, Lebensmittelknappheit (noch) nicht vorstellbar. Aber wer weiß……..
Ein Trost: unsere Milchkühe gingen auf andere Bio-Höfe, die ihre Chance im weiteren Wachstum sehen.
Dass die Entwicklung auf unserem Hof auch im Bio-Bereich kein Einzelfall ist, zeigt das Ökodorf Brodowin, ein Leuchtturmprojekt in Brandenburg, das 2025 ebenfalls nach über 30 Jahren sowohl die Milchviehhaltung als auch die Milchverarbeitung aufgegeben hat. Da half auch der Besuch von König Charles nicht mehr. Der größte Bio-Milchviehbetrieb in Deutschland übrigens, das Hofgut Eichigt in Sachsen, bewirtschaftet ca. 5.000 ha und hält 1.500 Milchkühe. Der Hof gehört zur Dennree-Gruppe der Familie Greim, dem größten Bio-Händler Deutschlands. Der Hof macht in vielerlei Hinsicht vorbildliche Arbeit und engagiert sich sehr für die Weiterentwicklung des Ökolandbaus, mit bäuerlicher Landwirtschaft, für die wir stehen, hat das allerdings nichts mehr zu tun.
Rehe setzen ihre Jungen häufig in hohem Gras ab, um sie vor Fressfeinden zu schützen. Was gegen Füchse und andere Raubtiere gut funktioniert, wird auf landwirtschaftlich genutzten Flächen häufig zur tödlichen Falle, wenn die Flächen gemäht werden. Schutzmaßnahmen wie vorheriges durchstreifen mit Hunden oder das Mähen des Feldrandes am Tag vorher helfen da nur bedingt. In Wippra hat sich 2025 daher eine Privatinitiative, die Rehkitzrettung Wippra, gegründet mit dem Ziel, Rehkitze vor der Mahd per Drohnen aufzuspüren und in Sicherheit zu bringen. Die Idee wurde in die Tat umgesetzt.
In diesem Jahr, sprich kommende Woche, kommen die Drohnen auch auf unseren Futterflächen zum Einsatz. Hierzu werden die Koordinaten der Schläge erfasst und die Drohnen suchen anschließend die Fläche systematisch mit einer Wärmebildkamera ab. So gefundene Kitze werden dann in Sicherheit gebracht und nach der Mahd wieder ausgesetzt.
Homepage
https://www.rehkitzrettung-wippra.de/home
Einsatz am 10.05.26
https://www.rehkitzrettung-wippra.de/newsreader/10-5-2026-unser-erster-einsatz
In Sachen Resilienz ist der Ökolandbau der konventionellen Landwirtschaft klar überlegen. Das zeigte sich in der Corona-Zeit, in der globale Lieferketten zusammen gebrochen sind, wodurch der Ökolandbau aber kaum betroffen war, weil er vor allem auf regionale Kreisläufe setzt. Das zeigt sich inzwischen fast regelmäßig in Trockenjahren, in denen die Ertragsrückgänge bei Ökobetrieben geringer ausfallen als in der konventionellen Landwirtschaft, da die natürliche Bodenfruchtbarkeit höher ist und solche Extremereignisse besser puffern kann. Und das zeigt sich aktuell, da der Ökolandbau nämlich nicht auf Dünger angewiesen ist, der die Straße von Hormus passieren muss, um auf deutsche Felder zu gelangen.
Unsere Kulturen werden fast ausschließlich mit Stickstoff aus der Luft versorgt, der über Leguminosen wie Klee und Luzerne gebunden wird und über den Futter-/Mistkreislauf auf den Feldern verteilt wird. Und für die bevorstehende Tomatensaison wächst derzeit noch eine Gründüngung aus Roggen in den Folienhäusern. Zusätzlich haben wir diese Woche Pellets aus Klee gedüngt, der auf sächsischen Bio-Feldern gewachsen ist und die in Dresden produziert werden. So geht´s auch.
Inzwischen haben wir unsere Molkereiausstattung komplett verkauft. Der Erlös reicht war nicht aus , um damit die Schulden zu tilgen, aber immerhin sind damit die Raten für ein Jahr gedeckt, was einen schon mal ruhiger schlafen lässt. Interessant ist, was aus der Anlage wird. Unsere Flaschenwaschmaschine ging nach Österreich zu einem Landwirtschaftsbetrieb, der in die Bierbrauerei einsteigt und damit seine Bierflaschen waschen möchte, die speziellen Molkereimaschinen wie Pasteur, Joghurtkessel und Abfüllanlage gingen zurück zum Hersteller nach Holland. Der vertreibt seine Maschinen europaweit und hat derzeit vor allem Interessenten aus Skandinavien und Osteuropa. Fast schon tragisch ist die Geschichte zum Verkauf der Eiswasseranlage, die aber das Dilemma der Landwirtschaft beispielhaft beschreibt. Die Anlage hat ein konventionell wirtschaftender Familienbetrieb mit 200 Kühen aus Nordrhein-Westfalen schon im August letzten Jahres gekauft. Der Sohn der Familie soll den Betrieb übernehmen und der Plan war, im Zuge der Übernahme in drei Melkroboter zu investieren und den Betrieb „zukunftsfähig“ aufzustellen. In unserer Eiswasseranlage sollte mit der Energie einer vorhandenen PV-Anlage Eis produziert werden, um damit dann die produzierte Milch runter zu kühlen. Die Abholung der Anlage verzögerte sich seitdem immer wieder. Der Transport per Spedition war zu teuer und die Selbstabholung musste wegen Krankheit von Mitarbeitern immer wieder verschoben werden – schließlich müssen ja morgens und abends Kühe gemolken werden. Anfang Januar hat es dann endlich mit der Abholung geklappt. Doch innerhalb eines halben Jahres hatte sich die Situation für den Betrieb grundlegend geändert. Der Preis für konventionelle Milch ist seitdem um rund 15 Cent pro Liter von 50 auf 35 Cent pro Liter gefallen. Dem Betrieb fehlen dadurch mal locker 200.000,- € Umsatz pro Jahr. Wirtschaftlich arbeiten kann man damit nicht, geschweige denn damit einen geplanten Kredit von rund 500.000,- zurück zahlen. Der Sohn hat inzwischen auch kalte Füße bekommen und vorerst von der Übernahme wieder Abstand genommen. Jetzt machen die „Alten“ erst mal wieder wie bisher und unsere Eiswasseranlage wandert auf einen Abstellplatz in die Scheune.
Doch zurück zur Backstube. Wir haben uns dazu entschlossen, die Container, in der die Molkerei untergebracht war, nicht auch noch zu verkaufen, sondern für andere Zwecke selber zu nutzen. So sind wir mit unserer Backstube in den ehemaligen „Waschcontainer“ umgezogen und nutzen den „Verarbeitungscontainer“ für die Marmeladenproduktion und wer weiß schon, was die Zukunft an Überraschungen bereit hält. Da ist es nicht verkehrt, ein paar Optionen zu haben, um in die eine oder andere Richtung abbiegen zu können.
Kommt Ihnen der Spruch auch bekannt vor? Genau, da war doch was. Aber Sie raten nie im Leben, was Präsident Trump nun als unerlässlich für Amerikas Sicherheit eingestuft hat. Es ist………Glyphosat! Er hat nämlich eine sogenannten Executive Order unterzeichnet, in der die Versorgung mit glyphosathaltigen Herbiziden als sicherheitsrelevant für die USA eingestuft wird und somit eine Frage der nationalen Sicherheit ist. Das US-Landwirtschaftsministerium ist jetzt damit beauftragt dafür zu sorgen, dass Glyphosat in ausreichender Menge im Inland produziert wird, um die Versorgung der amerikanischen Landwirtschaft zu gewährleisten.
Ok, wenn schon nicht Grönland, dann halt Glyphosat – Wohl Bekomm´s!
